Ortsverein Straubing

Jahreshauptversammlung OV Straubing

Jahreshauptversammlung OV Straubing

ver.di zeichnet langjährige Mitglieder aus

Ortsverein mit vielen Aktivitäten

Sie haben auch in schwierigen Zeiten ver.di die Treue gehalten. Insgesamt 19 Mitglieder zeichnete der Ortsverein Straubing der Gewerkschaft ver.di bei seiner Jahreshauptversammlung im Gasthof Schmid in Wolferszell aus – für 70, 50, 40 und 25 Jahre Mitgliedschaft.

Johann Jungtäubl, Vorsitzender des Ortsvereins, konnte vor fast 70 anwesenden Mitgliedern und Gästen bei seiner Rückschau von zahlreichen Aktionen berichten.

So nahm man am niederbayerischen Gewerkschaftstag mit Demozug in der Fraunhofer-Halle teil.

Es folgte eine Aktion zum Thema „Mindestlohn“. In weißen Maleranzügen mit selbstbeschrifteten Plakaten stand man den Straubinger Bürgern Rede und Antwort.

Bei der „1. Mai-Kundgebung“ des DGB war der Ortsverein ebenfalls wieder stark vertreten.

Im Juni machte der OV einen Infostand über das Thema „Gute Arbeit und guter Lohn nur mit Tarifverträgen“. Ziel dieser ver.di Aktion war es, gewerkschaftliche Errungenschaften der Öffentlichkeit bekannt zu machen und die Bedeutung von Tarifverträgen herauszustellen. Neben einem sicheren Einkommen regeln Tarifverträge aber auch Arbeitszeit, Urlaubstage, Überstundenzuschläge, Weihnachtsgeld, Kündigungsfristen und Weiterbildung. Ausgehandelt werden Tarifverträge mit den Arbeitgebern immer durch die Gewerkschaften.
Aber nur mitgliederstarke Gewerkschaften haben Durchsetzungskraft und können viel erreichen. Deshalb sollen sich laut Jungtäubl noch viel mehr Arbeitnehmer in ver.di oder einer anderen Gewerkschaft organisieren. Um die Aufmerksamkeit der Fußgänger zu gewinnen, wurde neben dem Infostand auch eine Fußbodenzeitung gemacht.

Am 10. Oktober sind mehrere Mitglieder bei der bundesweiten Demonstration „Stop TTIP und CETA“ im Bus nach Berlin gefahren. 250.000 Menschen im Berliner Regierungsviertel sorgten für eine unglaubliche Atmosphäre – eine der größten Demonstrationen, die dieses Land je gesehen hat. Hauptgrund der Reise war, dass man der Regierung zeigen wollte, dass Umwelt- und Verbraucherschutz sowie Mitbestimmungs- und Arbeitnehmerrechte  auf den höchsten Standards festgeschrieben werden müssen. Rechte, die es in den USA verbindlich so nicht gibt, nämlich sich in Gewerkschaften zu organisieren, Flächentarifverträge abschließen zu können oder als Betriebsrat Vereinbarungen für alle Mitarbeiter aushandeln zu können, müssen gesichert bleiben.

Jungtäubl erklärte, dass man sich auch regelmäßig mit Vertretern anderer Ortsvereine und mit Personengruppen wie Senioren, Jugend, Frauen, Arbeitern oder Beamten treffe.

Auch sei man mit dem DGB rege in Kontakt. Der deutsche Gewerkschaftsbund koordiniert als Dachverband Aktivitäten und ist die politische Stimme der Mitgliedsgewerkschaften. Tarifabschlüsse machen aber nur die Einzelgewerkschaften.

Zudem ist ver.di Mitglied der sogenannten Sonntagsallianz zusammen mit dem DGB und der Kirche. Ver.di tritt dafür ein, dass Sonntagsarbeit nicht unnötig ausgeweitet werden soll. Dafür gibt es gute Gründe wie Familie, soziale Kontakte erhalten oder Erholung. Jungtäubl meinte, er wisse wovon er rede, er arbeite schließlich im Schichtdienst und an Wochenenden in der JVA Straubing.

Auch an Versammlungen im Bezirksfrauenrat und im Bezirksseniorenausschuss nehme man teil.

Und unter dem Motto: „Zurückholen, was uns zusteht“ bietet der OV sehr aktiv und sehr erfolgreich für seine Mitglieder eine kostenlose und kompetente, ehrenamtlich durchgeführte Lohnsteuerberatung an. Damit unsere Mitglieder kein Geld verschenken, so Jungtäubl.

Die stellvertretende Vorsitzende Brigitte Wessely berichtete im Anschluss von zahlreichen Fahrten, Besichtigungen und Treffen der sehr aktiven Seniorengruppe.

Die zweite stellvertretende Vorsitzende Kirsten Zellner berichtete von der Gruppe der Frauen, die ebenfalls außerordentlich aktiv waren. So wurden mehrere Veranstaltungen über aktuelle politische und betriebliche Themen abgehalten.

Viel erreicht

Wendelin Hegedüsch, der ehrenamtliche Bezirksvorsitzende von ver.di Niederbayern, hielt das Referat. Zu Beginn dankte er den Jubilaren für ihre Treue und ihren Einsatz, denn ohne Ehrenamtliche geht bei einer Gewerkschaft gar nichts. Nur eine Gewerkschaft mit vielen Mitgliedern könne sich erfolgreich für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen.

So hätten die Jubilarinnen und Jubilare dazu beigetragen, dass die Arbeitszeit von 48 Stunden auf das jetzige Niveau abgesenkt wurde. Sie hätten gekämpft für soziale Errungenschaften wie eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, für Urlaub- und Weihnachtsgeld und vieles mehr.

Hegedüsch berichtete vom gerade zu Ende gegangenen Bundeskongress in Leipzig, von dem man gestärkt nach hause gefahren sei. Denn selbst die dort anwesende Bundeskanzlerin sagte, dass man ver.di nach 1,5 Millionen Streiktagen nicht mehr ignorieren könne.

Zur Flüchtlingsproblematik wusste er,dass vor 70 Jahren  aus den deutschen Ostgebieten und den angrenzenden Staaten bereits 10-12 Millionen Vertriebene zu uns kamen. Darunter vielleicht auch unsere Eltern, Großeltern oder Verwandte. Was wir also jetzt mit unseren Flüchtlingen aus Teilen Asiens und Afrikas  in Deutschland und Europa erleben würden, sei nichts Neues. Wir alle müssten jedoch lernen damit umzugehen,so Hegedüsch. Er lobte das hohe Helfer-Engagement und schäme sich für Fremdenhass.

Dann ging Hegedüsch auf den Mindestlohn ein. Was gab es nicht alles für düstere Hiobsbotschaften. Die Wirtschaftsverbände meinten, dass Hunderttausende von Arbeitsplätzen ins Ausland verlagert werden müssten, der Wirtschaftsstandort Deutschland wäre gefährdet. Tatsächlich sagt jetzt sogar die Deutsche Bundesbank, dass der Mindestlohn ein Erfolg sei, wurden doch viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze geschaffen. Hegedüsch meinte, wenn jemand den Wirtschaftsstandort gefährde, dann teuer bezahlte Manager von VW durch betrügerische Machenschaften.

Der Bezirksvorsitzene berichtete auch von arroganten Arbeitgebern im Sozial – und Erziehungsdienst. Für eine bessere Eingruppierung der Beschäftigten habe man auch in Niederbayern über 4 Wochen gestreikt.

Am Ende seines Referates sprach er ein weiteres Stück Tarifgeschichte an. Beim drei Monate langem Streik bei der Post AG könne sich das Ergebnis sehen lassen. Über 8.000 Kolleginnen und Kollegen, die seit vielen Jahren befristet bei der Post beschäftigt sind, hätten nun seit einigen Wochen einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

Ausgezeichnete Mitglieder

Im Anschluss an das Referat zeichnete ver.di 19 Mitglieder für 25 und 40 Jahre, und sogar für 50 und 70 Jahre Mitgliedschaft aus.

Dabei überreichten Ortsvereinsvorsitzender Johann Jungtäubl, Bezirksvorsitzender Wendelin Hegedüsch und die zuständige hauptamtliche Betreuungssekretärin Evelyn Haumann-Fürst jedem zu Ehrenden ein kleines Geschenk, was diese sehr freute. Genauso wichtig war für viele aber auch, dass sie Kollegen von früher trafen, die sie lange nicht mehr gesehen hatten. Viele ehemalige Funktionäre äußerten zudem ihre Zufriedenheit, dass sich ihr Ortsverein, der ihnen immer noch am Herzen liegt, in guten Händen befindet. Die meisten Ehrengäste fanden es einfach schön, mit ihrer Gewerkschaft bei einem gemeinsamen Essen feiern zu können.

Für 70jährige Mitgliedschaft geehrt wurde Leopold Geissl.

Vor 50 Jahren traten Johann Feldmeier und Herbert Meissner der Gewerkschaft bei.

Für 40 Jahre ausgezeichnet wurden Gertraud Lohmeier, Marianne Fischer, Gertraud Bell und Erwin Schütz.

Seit 25 Jahren Mitglied sind Alfons Eiglsperger, Irene Ilgmeier, Julius Lebhaft, Detlef Rösner, Rudolf Rötzer, Jutta Schütz, Manfred Reiner, Josef Rohrmeier, Norbert Urban, Werner Probst, Andreas Mikos und Monika Ostermeier.

Um nochmals hervorzuheben, wie lange die Geehrten ver.di bereits die Treue halten, lieferte Evelyn Haumann-Fürst dazu interessante Daten und reiste in der Zeit zurück:

Beim Gewerkschaftseintritt 1945 ging der zweite Weltkrieg zu Ende.

1965 weiteten sich die Kriegshandlungen in Vietnam aus.

Zehn Jahre später war der Vietnamkrieg zu Ende, in Stuttgart begann der Stammheim-Prozess gegen die RAF und der spanische Diktator Franco starb.

Und vor 25 Jahren kam Nelson Mandela nach mehr als 27 Jahren Haft frei und Deutschland wurde nach einem 1:0-Sieg über Argentinien Fußballweltmeister.

Im Schlusswort hob Johann Jungtäubl nochmals den Einsatz der Jubilare hervor. Sie hätten sich auch in schwierigen Zeiten, in denen die Gewerkschaft starken Gegenwind bekam, durch ihre Mitgliedschaft für andere eingesetzt. Nur mit solchen Mitgliedern könne eine Gewerkschaft etwas bewegen.

Er bedankte sich bei allen Vorstandskollegen, ohne deren Engagement es nicht  gehen würde und meinte, dass man sich weiterhin vor Ort einmischen wolle und auch künftig auf Missstände hinweisen möchte.

Er regte an, die Internetseite niederbayern.verdi.de zu besuchen und sich dort über den Ortsverein, das Jahresprogramm oder die Lohnsteuerberatung zu informieren.